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"Ich werde der Bürgermeister sein, der zuhört."

Probleme lassen sich im Dialog leichter lösen.

Herr Sens, wenn man Ihren Lebenslauf betrachtet, fällt Ihre große Erfahrung in verschiedenen Bereichen auf. Gibt es eine Gemeinsamkeit Ihrer Lebensabschnitte?

Ja, das ist die Kommunikation. Ich habe mich immer dafür interessiert, mit Menschen in einen Dialog zu treten. Sei es über das Radio zu informieren, durch Anreizsysteme zu motivieren oder Menschen persönlich zu beraten - die Kommunikation ist über die Jahre zu meiner Natur geworden.

Qualifiziert Sie diese Erfahrung für das Amt des Bürgermeisters?

Dies alleine sicher nicht, aber es ist eine Schlüsselqualifikation. Miteinander reden heißt zunächst einmal: zuhören. Ich werde der Bürgermeister sein, der genau zuhört und Probleme im Dialog löst, wo immer das möglich ist..

Und wenn sich die Dinge nicht durch Reden lösen lassen?

Dann müssen Entscheidungen her, die dann auch beherzt umgesetzt werden. Kommunalpolitik ist keine Showveranstaltung, sondern gelebte Demokratie und konkrete Entscheidungen müssen zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger getroffen werden. Dabei helfen mir meine Kompetenzen, Erfahrungen und auch mein Netzwerk.

Könnte das nicht auch Menschen enttäuschen? Solche die im Gespräch gehofft haben, eine Entscheidung würde zu ihren Gunsten ausfallen - und dann mit einem anderen Ausgang leben müssen.

Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat. Das bedeutet, dass unser Handeln - das des Bürgermeisters wie der Stadtverordnetenversammlung - an Recht und Gesetz gebunden ist. Auch wenn die Vorschriften manchmal Ermessensspielräume lassen, kann es vorkommen, dass ein Gesprächsergebnis diesen Voraussetzungen nicht entspricht. Ich bin froh in einem Rechtsstaat zu leben.

Früher hatten in unserem Land die Parteien ein Quasi-Monopol für die politische Willensbildung. Das ändert sich, wie "Stuttgart 21" oder Diskussionsforen im Internet zeigen. Was bedeutet das für den parteilosen Bürgermeister Rainer Sens?

Unsere Demokratie reift und die Kommunen sind lebendige Beispiele dafür. "Stuttgart 21" und die Schlichtung wären nicht nötig geworden, wenn der Dialog schon früh gesucht worden wäre. Gerade als parteiloser Bürgermeister kann ich unbelastet und ohne Vorbedingungen mit allen Bürgerinnen und Bürgern sprechen, gleich, welcher Gruppierung sie sich zuordnen. An der besonderen Rolle der Parteien, insbesondere als Fraktionen im Parlament, gibt es keinen Zweifel. Aber im Vorfeld sollte durch eine frühzeitige Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger kein Vorschlag vergessen, keine Meinung unterdrückt werden. Denn diese sind die besten Experten für ihr eigenes tägliches Lebensumfeld.  Das will ich nutzen. Das Internet liefert dazu hervorragende technische Möglichkeiten - aber es ist kein Selbstzweck.

Sie sind seit 2004 für die Wirtschaftsförderung Bergstraße tätig. Bekommt Hirschhorn nun einen wirtschaftsfreundlichen Bürgermeister?

Ja, denn ich habe großen Respekt vor den Frauen und Männern, die etwas unternehmen, die privates Kapital und Lebenszeit dafür riskieren, ein Unternehmen aufzubauen und zu leiten, die Arbeitsplätze schaffen und sichern. Und die mit verantwortlichem Handeln und ihren Steuern zum Gemeinwohl maßgeblich beitragen. Ihnen gilt meine volle Unterstützung. Diese Unternehmerinnen und Unternehmer sind für unsere Stadt sehr wichtig und Neid ist angesichts ihres Mutes und ihrer Tatkraft unangebracht. Probleme habe ich aber mit verantwortungslosen Managern und Menschen, die für Gewinn sprichwörtlich über Leichen gehen. Da schaue ich genau hin.

Zu den großen Ärgernissen zählen Steuern und Abgaben, sowohl für Bürger als auch für Unternehmen.

Fragen Sie einmal Unternehmer, die mit schlechten Erfahrungen aus Niedrigsteuerländern zurück kommen. Wer einmal erlebt hat, was eine schlechte Infrastruktur bedeutet, was passiert, wenn die Kapazität der Gerichte überschritten ist und welches Erschwernis es ist, wenn unterbezahlte Beamte nur gegen Bares tätig werden, der fragt nicht mehr nach der Höhe der Steuern, sondern ob ein echter Gegenwert dadurch entsteht. Hier kann die Verwaltung zumindest auf kommunaler Ebene deutlich machen, dass dem Steuergeld eine sehr gute Gegenleistung gegenüber steht, zum Beispiel durch schnelle Entscheidungen, bürgerfreundliche Informationen oder durch eine verlässliche Infrastruktur. Nicht zuletzt müssen wir darauf achten, unseren Nachfahren geordnete Finanzen zu übergeben.

In Ihrem Lebenslauf erwähnen Sie auch Ihre Liebe zum Theater und zur Musik ...

... und zum Film und zur Literatur. Ja, ich bin, was man einen Kulturbürger nennen kann. Ich ziehe aus unserer Kultur, in Geschichte und Gegenwart, viel Kraft und einen großen Teil meiner Identität. Künstler genießen eine große Freiheit, sie dürfen provozieren, aufklären, schocken, sie dürfen die Ästhetik in den Mittelpunkt stellen aber auch die ätzende Kritik. Das einzige was ich mir ganz persönlich manchmal wünschen würde, wäre etwas mehr Verständlichkeit.  Aber die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung sind unantastbar.

Was bedeuten Werte für Sie? Was ist mit der Religion?

Ich würde mich selbst als wertkonservativ bezeichnen. Das bezieht sich politisch auf die Grundrechte und die Grundordnung unseres Grundgesetzes. Ich persönlich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch es wert ist, geachtet und sofern er es für sich selber zulässt auch gefördert zu werden. Ich bin nicht religiös in dem Sinn, dass ich an bestimmten Ritualen hänge, habe meinen Kinderglauben lange abgelegt, würde mich aber dennoch als gläubiger Christ bezeichnen, der sich nicht zwischen den Konfessionen entscheiden kann. Religiöse Toleranz, die mehr ist als nur Gleichgültigkeit für den anderen, ist für mich eine der Grundvoraussetzungen für gesellschaftlichen Frieden. Deshalb trete ich Intoleranz entschieden entgegen.

Warum wollen Sie eigentlich gerade in Hirschhorn Bürgermeister werden?

Vor allem, weil ich in meiner Tätigkeit für die Wirtschaftsförderung Bergstraße die Menschen hier kennen und lieben gelernt habe. Ich kenne mich hier, auch als Zugezogener, gut aus, weiß um die Herausforderungen bescheid - und auch um die Möglichkeiten. Neben der Zuneigung zu den Menschen reizt mich die Aufgabe, in einer so geschichtsbewussten Stadt die Zukunft maßgeblich mitzugestalten. Zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern würde ich gerne mutig in die Zukunft gehen, unsere Hirschhorner Identität bewahren und weiter entwickeln.

Wenn jetzt die "gute Fee" käme und Sie drei Wünsche für Ihre Amtszeit frei hätten ...

... dann würde ich mir zuerst einen noch lang andauernden Frieden wünschen, eine Zeit des Rechts und der Gewaltfreiheit. Erst ein wirklicher Frieden ermöglicht auch wirtschaftliche Prosperität. Auf dieser Basis können nachhaltige soziale und umweltfreundliche Entwicklungen erfolgreich umgesetzt werden.

Der zweite Wunsch richtet sich an die Hirschhornerinnen und Hirschhorner. Ich wünsche mir, dass Sie Spaß daran finden, sich für Ihre Stadt einzubringen, mit zu reden und mit zu gestalten.

Drittens wünsche ich mir eine rege Kulturszene, die uns immer wieder aufrüttelt, unterhält, mahnt und Spaß macht, auf dass wir das eigenständige Denken nicht vergessen und unsere Kinder neben allem Wissen auch Verantwortung lernen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Persönlicher Kontakt zu Rainer Sens

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© Rainer Sens | hirschhorn@sens.de